12/16/2004

Gut recherchiert?

Wir bereits dokumentiert, nehmen es die Kollegen vom ZDF bei ihrer Berichterstattung mit der Recherche nicht so genau. Ein einfacher Blick auf die Seite Jugendschutz.net hätte wahrscheinlich weiter geholfen. Dort steht, ausführlich und sehr sachlich beschrieben, was Computerspiele (speziell Shooter) "vielleicht" auslösen "können", und was nicht. Auch der Aspekt der Netzwerk- und Online-Kultur mit seinem Aufbau als Team-Sport wird dort beleuchtet. Das ZDF ist jedoch kein Einzelfall. Dieses Exemplar aus der "Welt", in der die Autorin mal eben festhält, dass der Amoklauf von Erfurt genau nach dem Schema von Counterstrike aufgebaut ist, gehört in die gleiche Serie von journalistischen Glanzstücken. Ähnlich geistreich ist auch dieser Erguss aus der "Süddeutschen", in dem der Autor - natürlich völlig frei von Vorurteilen - von der "Verdoomung" der Republik spricht. Und ganz gefährlich wird es, wenn der Ruf nach generellen Verboten von Gewaltspielen laut wird. Helga Zepp-LaRouche, von der neuen Solidarität erklärte uns im Jahre 2002, warum Gewaltspiele und Gewaltfernsehen eine weltweite Bedrohung sind.

Manchmal frage ich mich, ob es die bloße Unwissenheit oder schlicht "Angst" vor diesen Spielen ist, die zu solchen Berichten führt. Mir stellt sich die Frage, in wie weit ein Journalist überhaupt "objektiv" an ein Thema herangegangen ist, wenn am Ende solche Berichte herauskommen? Journalismus soll aufklären, soll Meinungen schaffen, aber nicht die Stimmung anheizen. Gut recherchierte Artikel beleuchten deshalb viele Aspekte eines Themas und kommen anhand der gesammelten Fakten zu einem Fazit. Viele "Erfurt-Artikel" (welch Unwort) und aktuelle Berichte zum Thema lassen dieses journalistische Grundgerüst allerdings vermissen. Es werden immer wieder Einzelaspekte herausgeschnitten und daraus ein Weltbild geformt, das fast schon kirchliche Züge annimmt. Spieler sind potenzielle Amokläufer und Frauenhasser. Und wer zuviel spielt, der verdummt. Punkt.

Wenn sich Autorinnen und Autoren alerdings in Zukunft ein bißchen mehr anstregen würden, diese Grundsätze im Gedächtnis zu behalten, wäre der Sache sehr damit gedient. Sie könnten zum Beispiel die Seite des Jungendschutzes berücksichtigen und vielleicht könnte sich dann ja auch das Zweite erbarmen, einen gut recherchierten Bericht zu zeigen.