Gut recherchiert?
Wir bereits dokumentiert, nehmen es die Kollegen vom ZDF bei ihrer Berichterstattung mit der Recherche nicht so genau. Ein einfacher Blick auf die Seite Jugendschutz.net hätte wahrscheinlich weiter geholfen. Dort steht, ausführlich und sehr sachlich beschrieben, was Computerspiele (speziell Shooter) "vielleicht" auslösen "können", und was nicht. Auch der Aspekt der Netzwerk- und Online-Kultur mit seinem Aufbau als Team-Sport wird dort beleuchtet. Das ZDF ist jedoch kein Einzelfall. Dieses Exemplar aus der "Welt", in der die Autorin mal eben festhält, dass der Amoklauf von Erfurt genau nach dem Schema von Counterstrike aufgebaut ist, gehört in die gleiche Serie von journalistischen Glanzstücken. Ähnlich geistreich ist auch dieser Erguss aus der "Süddeutschen", in dem der Autor - natürlich völlig frei von Vorurteilen - von der "Verdoomung" der Republik spricht. Und ganz gefährlich wird es, wenn der Ruf nach generellen Verboten von Gewaltspielen laut wird. Helga Zepp-LaRouche, von der neuen Solidarität erklärte uns im Jahre 2002, warum Gewaltspiele und Gewaltfernsehen eine weltweite Bedrohung sind.
Manchmal frage ich mich, ob es die bloße Unwissenheit oder schlicht "Angst" vor diesen Spielen ist, die zu solchen Berichten führt. Mir stellt sich die Frage, in wie weit ein Journalist überhaupt "objektiv" an ein Thema herangegangen ist, wenn am Ende solche Berichte herauskommen? Journalismus soll aufklären, soll Meinungen schaffen, aber nicht die Stimmung anheizen. Gut recherchierte Artikel beleuchten deshalb viele Aspekte eines Themas und kommen anhand der gesammelten Fakten zu einem Fazit. Viele "Erfurt-Artikel" (welch Unwort) und aktuelle Berichte zum Thema lassen dieses journalistische Grundgerüst allerdings vermissen. Es werden immer wieder Einzelaspekte herausgeschnitten und daraus ein Weltbild geformt, das fast schon kirchliche Züge annimmt. Spieler sind potenzielle Amokläufer und Frauenhasser. Und wer zuviel spielt, der verdummt. Punkt.
Wenn sich Autorinnen und Autoren alerdings in Zukunft ein bißchen mehr anstregen würden, diese Grundsätze im Gedächtnis zu behalten, wäre der Sache sehr damit gedient. Sie könnten zum Beispiel die Seite des Jungendschutzes berücksichtigen und vielleicht könnte sich dann ja auch das Zweite erbarmen, einen gut recherchierten Bericht zu zeigen.
Frauen? Nein Danke!?!
Was haben wir bereits gelitten. Erst suchte sich das Magazin "Frontal 21" mit seinen Beiträgen "Video-Gemetzel im Kinderzimmer" und "Dumm gespielt" PC-Spieler als Zielscheibe für die Berichterstattung aus und jetzt das: Das PC-Fachmagazin "ML MonaLisa" nimmt sich ebenfalls der Thematik an und enttarnt Spieler als Frauenhasser. Geht es nach den Experten vom ZDF, haben Nutzer von PC-Spielen ein "Frauenbild aus der Steinzeit". Der Beweis für die These sind Ramsch-Spiele wie "Rotlicht Tycoon", das in der Gold-Edition bei Pearl jetzt mit grandiosen Räumen wie "Schweinestall, Hochzeitssuite und Gefängnis-Zelle" aufwartet. Na super! Da surfe ich doch lieber beim gelben Stromanbieter vorbei und flirte ein bißchen mit "Eve". Die brauche ich gar nicht großartig in irgendwelche Ställe zu schicken. Ein simples "zieh Dich aus" bringt das gewünschte Ergebnis. Gibt es deshalb einen Bericht im Fernsehen oder eine Protestakion der "Frauenunion", die selbst mit sexy roten Schuhen auf ihrer Website wirbt?
Offensichtlich scheint die simple Tatsache, dass die als Beispiel herangezogenen Spiele ungefähr so verbreitet sind wie freilebende Miesmuscheln in der Alpenregion keinen der Autoren solcher Berichte zu interessieren. Repräsentativ ist diese Art von Spielen in jedem Fall nicht. Jedes anständige Spiele-Magazin setzt solche Auswürfe der (Beta)Spiele-Industrie von vornherein auf die Blacklist und bewertet sie entsprechend. Und überhaupt, von Frauenhass oder einer kategorisch unwürdigen Behandlung des weiblichen Gechlechts kann doch gar nicht die Rede sein. Denken wir an Lara Croft die – zugegeben - mit einer sehr ansehnlichen Oberweite ausgestattete weibliche Heldin der „Tombraider“ Serie. Das Powerweib aus der Spiele-Schmiede „Eidos“ hat es in Form einer filmischen Umsetzung sogar in die Kino geschafft. Wie sehr hat uns Angelina Jolie damals verzaubert! Und wem dieses Beispiel zu flach ist, dem seinen die unzähligen Rollenspiele und Adventure ans Herz gelegt, in denen weibliche Charaktere als gewitzte Diebinnen, Elfen, Feen oder Hexen eine mächtige Unterstützung für jede Gruppe von Helden sind. Wie sehr habe ich gelitten, wenn meine Schwester und Magier/Diebin "Imoen" im zweiten Teil der "Baldurs Gate Saga " dem Schwert eines fiesen Schurken zum Opfer fiel . Und wer kennt nicht die mächtige Kämpfer/Druidin "Jaheira", mit der nur eine weitere der Powerfrauen aufgezählt wird, die uns während der letzten Jahre in Computerspielen begleiteten.
Wenn die fachkompetenten Journalisten und Redakteure beim ZDF sich in Zukunft also ein weiteres Mal überlegen, Einzelaspekte der Spielelandschaft zur bloßen Stimmungsmache zu verwenden, sollten sie vielleicht in Erwägung ziehen, dieses Geschäft den Profis zu überlassen. Zum Beispiel Redakteuren bei Spiele-Zeitschriften, die einen wesentlich besseren Überblick haben dürften, in welchen Spielen Frauen bisher mehr Bedeutung zukam, als auf den Strich geschickt zu werden. Das bisher gezeigte Niveau der Berichte ist jedenfalls nur knapp über dem der "BILD", die den Titel Zeitung bekanntermaßen nicht mehr führen darf, weil sie es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Unwahr ist der Bericht im Zweiten sicherlich nicht, dafür jedoch schlecht recherchiert. Schwarze Schafe und Entgleisungen wie die Puff-Simulation wird es immer geben. Wenn die Magazine im Zweiten Fernsehen, das wir mit unseren Gebühren finanzieren, sich allerdings auch in Zukunft daran festbeißen, sollte man vielleicht wie mit der BLÖD, äh, BILD verfahren und ihnen den Titel entziehen. In Zukunft also nur noch "Sendung", und kein "Format" mehr. Bis dahin Danke, ZDF!, für diesen Unfug gibt's die "rote Karte"