La Ola
Mit seinem erneuten Bericht hat das Team von Frontal21 eine Welle der Empörung unter Spielern ausgelöst. Die unsachliche Berichterstattung war der Spielezeitschrift GameStar einen Bericht wert, der unter dem Titel "Frontal daneben" aufzeigt, wie einseitig die Frontal21 Berichte und der MonaLisa Erguß produziert wurden. In einem offenen Brief an ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, den in den ersten drei Stunden nach seiner Publikation Stunden schon über 2500 Spieler unterzeichnet haben, fordert die GameStar eine faire und ordentliche Berichterstattung. Die Nachricht über die Petition breitet sich wie eine Welle über die Gaming-Seiten aus und es ist mit einer hohen Zahl an Unterzeichnern zu rechnen. Das Medium Internet beweist einmal mehr, wie schnell und gezielt sich Menschen dort organisieren können.Die SZ lädt zur Gewaltdiskussion
In ihrem Artikel "Haut´se auffe Schnauze!" setzt sich die Südeutsche Zeitung zeitgleich sehr kritisch mit der Berichterstattung von Spielezeitschriften und Online-Medien über "Killerspiele" auseinander und lädt für den heutigen Abend (28.04) um 19 Uhr zu einer Podiumsdiskussion ins Verlagshaus. Über das Thema "Gewalt in Computerspielen" diskutieren dort:
Stephan Brechtmann (Microsoft Deutschland)
Dr. Jens Intat (Electronic Arts)
Dr. Werner Hopf (Schulpsychologe)
Professor Helmut Lukesch (Uni Regensburg)
Professor Jürgen Fritz (FH-Köln)
Marc Deckert (Neon Magazin)
Michael Wallis (Schüler)
(Quelle: GameStar)
Diese Diskussion dürfte mehr als spannend werden, doch leider wurde als Repräsentant der "Gamer" nur ein Schüler eingeladen. Das Alter der aktiven Spieler erstreckt sich jedoch von 15-55. Bedauerlich ist auch, dass Spieler und Spiele-Medien erst am Tag der Veranstaltung von dem Termin erfahren haben. In der Hoffnung auf einen Bersuch der GameStar Redakteure harre ich der Dinge und gehe erstmal aufs Helden-Konzert. Zum Bericht der Süddeutschen bleibt anzumerken: nicht alle Spielemagazine sind mit Fotoshows von Blutorgien übersähnt. Die gewählten Beispiele spiegeln nicht den Kern der Berichterstattung sondern lediglich unschöne Einzelbeispiele wieder. Schade SZ...
Rückkehr zum Populismus
Lange war es ruhig um die Reporter des zweiten Deutschen Fernsehens, das einige Hunderttausend Spieler mit ihren GEZ-Gebühren finanzieren (der Rest kommt bald in das Vergnügen). Gestern jedoch ein erneuter Ausbruch der ZDF-Journaille. Unter dem Titel "Gewalt ohne Grenzen" wurde folgender Beitrag veröffentlicht, der den sehr einfachen Zugang zu "Gewaltspielen" thematisiert. Neben diesem - zugegeben - sehr unschönen Zustand wird auch der Ulmer Psychiater Manfred Spitzer zitiert, der davor, dass "ein friedfertiger Mensch, der diese Spiele spielt, am Ende gefährdeter ist als ein gewaltbereiter Mensch, der überhaupt nicht spielt." Das sei, so Spitzer, nachgewiesen.
In dubio pro reo?
Dass die Meinungen zu diesem Thema auseinandergehen, ist nichts neues. Neu ist es auch nicht, dass Frontal21 anscheinend immer nur die Experten auftreibt, die ins Sendeschema passen. Hätten die Redakteure Zeitung gelesen, wäre ihnen der Name Manuel Ladas vielleicht ein Begriff. Die weiter unten noch gescholtene Online-Ausgabe der Welt zitiert diesen in ihrem Artikel Wenn "Killer-Spiele" die Massen verzaubern wie folgt:
Ladas kam schon 2002 zu dem Ergebnis, daß Gewalt in PC-Spielen zwar ein vielgenutztes Element sei, jedoch einen von realer Gewalt vollkommen verschiedenen Sinn für die Nutzer hat. "Virtuelle Gewalt wird wettbewerbsähnlich wahrgenommen und nicht als Mittel der Schädigung im Sinne eines Täter-Opfer-Verhältnisses", so die Studie. "Oder, um die Frage zu beantworten, ob denn nun die Spiele oder die Spieler brutal sind: Weder - noch."
Von solchen Forschungsergebnissen kann (oder will?) Frontal21 anscheinend nichts wissen. Die Berichterstattung bleibt einseitig, meinungsgefärbt und schlecht. Panikmache, Schürung von Angst und Mumaßungen, wie sie auch der Stern erneut in einem seiner Artikel einsetzt. Hinter dem Titel "Was wird hier gespielt?" verbirgt sich zwar ebenfalls ein Bericht über die Schwächen des Jugendschutzes im Angesicht der Möglichkeiten des Internets, die Einleitung lässt jedoch jedes Gespür für das Thema vermissen. Die bildhafte Beschreibung des Amoklaufs geht fließend über in eine Mutmaßung bezüglich der Auswirkungen von Ego-Shootern die - siehe oben - eben einfach nicht so mir nichts, dir nichts übertragbar sind. Mehr Infos zur Studie von Manuel Ladas gibt's hier
Ende gut, alles gut?
Die Berichte werden vor allem von Eltern gelesen, bei denen Frontal21 und Stern eine hohe Reputation genießen. Die Qualität der Informationen wird nicht in Frage gestellt. Auf Seiten der Spieler passiert dagegen wenig. Keiner der Gaming-Verbände hat sich bisher zu Wort gemeldet und es ist fraglich, ob es überhaupt jemals einer tun wird.... Schade.
Zwischenbericht
Das Zweite ist stiller geworden, dafür greifen andere Medien das Thema auf. Zeit-Journalisten Kerstin Kohlenberg portraitiert in ihrem Artikel "Schlachten in der Cyberwelt" einfühlsam die beiden Spieler David und Maurice, während der Kommunikationswissenschaftler Nikolaos Kyriakidis als Ergebnis seiner Studie "Fun, Anyone!?" zu dem Schluss kommt, das man entspannter mit Computerspielen umgehen sollte.
Das Hauptproblem in Bezug auf die Zockerei dürfte im mangelnden Verständnis der Elterngenartion für ihre Kinder liegen. Das stellt auch Stern-Kolumnist Carsten Scheibe fest, in dem er sich sehr amüsant mit dem Thema auseinandersetzt.
Eine sehr gute Antwort auf die Frage, warum das Thema Spielen fast immer nur Negativsschlagzeilen macht, lieferte der britische Wissenschaftler Mark Grifffiths schon vor zwei Jahren. In einer von ihm durchgeführten Studie über Online-Gaming schreibt er, dass sich die Majorität der durchgeführten Untersuchungen im Bereich Computerspiele bisher auf die negativen Aspekte, wie exzessives Spielen, Spielsucht und die Auswirkungen von gewalttätigen Spielen auf das Verhalten bezieht. Außer Kyriakidis scheint sich keiner diese Worte zu Herzen genommen zu haben...
Im Westen nichts neues
Mea culpa, mea maxima culpa! Über vier Wochen keine Bericherstattung von der Computerfront. Bereits am 29. Dezember haben die Redakteure vom SPIEGEL das Gaming-Thema aufgegriffen und in einem Artikel das Fähnchen für uns Spieler hochgehalten. Wenn dreizehnjährige am Rechner 3-D-Modelle bauen und über eigene Netzwerke mit Codern und Grafikern an der Produktion von Spielerweiterungen mitwirken, kann das nicht dumm sein. Sicher gibt es auch hier Ausnahmen von der Regel, aber Gamer sind nicht durchweg fett und bescheuert.
Das ZDF ist inzwischen etwas ruhiger geworden, dafür fährt die Spielindustrie nun massiv Gegenargumente auf. Wie ebenfalls im SPIEGEL zu lesen ist hat eine Studie unter erwachsenen US-Gamern ergeben, dass diese weder dumm noch fett sind. Statdessen lesen sie viel und machen viel Sport. Wie allerdings gleich kritisch bemerkt wird, sind Studien eine Sache für sich. Wie heißt es so schön, "traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast". Nichtsdestotrotz machen die Redakteure beim SPIEGEL das, was dem ZDF im letzten Post nahegelegt wurde - recherchieren und Themen von mehreren Seiten beleuchten.
In einem weiteren Artikel meldet sich Allianz-Verkehrsexperte „Jörg Kubitzki“ zu Wort. Der Tausendsassa, der sich sonst mit Unfallzahlen und der Auswirkung von Drogen auf das Fahrverhalten beschäftigt, wird nun auch im Bereich Games aktiv. Auf Grund einer aktuellen Studie (wir hatten das Thema ja bereits) kommt er zu dem Schluss, dass Racing-Spiele wie "Need for Speed" zukünftige Verkehrsrowdies züchten und in Zukunft nicht mehr an Jugendliche abgegeben werden sollen. Wie gut, dass der SPIEGEL einen anderen Forscher zu Wort kommen lässt, der davon überhaupt nicht überzeugt ist und Kubitziki’s Aussagen entkräftet.
Das Thema PC-Spiele und Shooter bleibt also auch im Januar heiß. Gegenstudie jagt Studie und immer neue Experten, von denen die Welt (und die Spiele-Szene) noch etwas gehört hat, melden sich zu Wort. Die Frage ist, wer sich am Ende durchsetzen wird. Sicher ist dabei aber eins, die Dummheit wird siegen. Die Tatsache, dass ein dämlich Kinderlied wie „Schnappi“, gesungen von der achtjährigen Joy, es über einen Internet-Hype bis auf Platz eins der deutschen Verkaufscharts schafft, sollte dafür Zeichen genug sein. es ist also die Frage, wer hier langsam verdummt. Vielleicht sollten Gamer mal eine Studie durchführen, wer (ausgenommen Eltern mit Kindern) so einen Schwachsinn kauft. Gamer sicherlich nicht...
Gut recherchiert?
Wir bereits dokumentiert, nehmen es die Kollegen vom ZDF bei ihrer Berichterstattung mit der Recherche nicht so genau. Ein einfacher Blick auf die Seite Jugendschutz.net hätte wahrscheinlich weiter geholfen. Dort steht, ausführlich und sehr sachlich beschrieben, was Computerspiele (speziell Shooter) "vielleicht" auslösen "können", und was nicht. Auch der Aspekt der Netzwerk- und Online-Kultur mit seinem Aufbau als Team-Sport wird dort beleuchtet. Das ZDF ist jedoch kein Einzelfall. Dieses Exemplar aus der "Welt", in der die Autorin mal eben festhält, dass der Amoklauf von Erfurt genau nach dem Schema von Counterstrike aufgebaut ist, gehört in die gleiche Serie von journalistischen Glanzstücken. Ähnlich geistreich ist auch dieser Erguss aus der "Süddeutschen", in dem der Autor - natürlich völlig frei von Vorurteilen - von der "Verdoomung" der Republik spricht. Und ganz gefährlich wird es, wenn der Ruf nach generellen Verboten von Gewaltspielen laut wird. Helga Zepp-LaRouche, von der neuen Solidarität erklärte uns im Jahre 2002, warum Gewaltspiele und Gewaltfernsehen eine weltweite Bedrohung sind.
Manchmal frage ich mich, ob es die bloße Unwissenheit oder schlicht "Angst" vor diesen Spielen ist, die zu solchen Berichten führt. Mir stellt sich die Frage, in wie weit ein Journalist überhaupt "objektiv" an ein Thema herangegangen ist, wenn am Ende solche Berichte herauskommen? Journalismus soll aufklären, soll Meinungen schaffen, aber nicht die Stimmung anheizen. Gut recherchierte Artikel beleuchten deshalb viele Aspekte eines Themas und kommen anhand der gesammelten Fakten zu einem Fazit. Viele "Erfurt-Artikel" (welch Unwort) und aktuelle Berichte zum Thema lassen dieses journalistische Grundgerüst allerdings vermissen. Es werden immer wieder Einzelaspekte herausgeschnitten und daraus ein Weltbild geformt, das fast schon kirchliche Züge annimmt. Spieler sind potenzielle Amokläufer und Frauenhasser. Und wer zuviel spielt, der verdummt. Punkt.
Wenn sich Autorinnen und Autoren alerdings in Zukunft ein bißchen mehr anstregen würden, diese Grundsätze im Gedächtnis zu behalten, wäre der Sache sehr damit gedient. Sie könnten zum Beispiel die Seite des Jungendschutzes berücksichtigen und vielleicht könnte sich dann ja auch das Zweite erbarmen, einen gut recherchierten Bericht zu zeigen.
Frauen? Nein Danke!?!
Was haben wir bereits gelitten. Erst suchte sich das Magazin "Frontal 21" mit seinen Beiträgen "Video-Gemetzel im Kinderzimmer" und "Dumm gespielt" PC-Spieler als Zielscheibe für die Berichterstattung aus und jetzt das: Das PC-Fachmagazin "ML MonaLisa" nimmt sich ebenfalls der Thematik an und enttarnt Spieler als Frauenhasser. Geht es nach den Experten vom ZDF, haben Nutzer von PC-Spielen ein "Frauenbild aus der Steinzeit". Der Beweis für die These sind Ramsch-Spiele wie "Rotlicht Tycoon", das in der Gold-Edition bei Pearl jetzt mit grandiosen Räumen wie "Schweinestall, Hochzeitssuite und Gefängnis-Zelle" aufwartet. Na super! Da surfe ich doch lieber beim gelben Stromanbieter vorbei und flirte ein bißchen mit "Eve". Die brauche ich gar nicht großartig in irgendwelche Ställe zu schicken. Ein simples "zieh Dich aus" bringt das gewünschte Ergebnis. Gibt es deshalb einen Bericht im Fernsehen oder eine Protestakion der "Frauenunion", die selbst mit sexy roten Schuhen auf ihrer Website wirbt?
Offensichtlich scheint die simple Tatsache, dass die als Beispiel herangezogenen Spiele ungefähr so verbreitet sind wie freilebende Miesmuscheln in der Alpenregion keinen der Autoren solcher Berichte zu interessieren. Repräsentativ ist diese Art von Spielen in jedem Fall nicht. Jedes anständige Spiele-Magazin setzt solche Auswürfe der (Beta)Spiele-Industrie von vornherein auf die Blacklist und bewertet sie entsprechend. Und überhaupt, von Frauenhass oder einer kategorisch unwürdigen Behandlung des weiblichen Gechlechts kann doch gar nicht die Rede sein. Denken wir an Lara Croft die – zugegeben - mit einer sehr ansehnlichen Oberweite ausgestattete weibliche Heldin der „Tombraider“ Serie. Das Powerweib aus der Spiele-Schmiede „Eidos“ hat es in Form einer filmischen Umsetzung sogar in die Kino geschafft. Wie sehr hat uns Angelina Jolie damals verzaubert! Und wem dieses Beispiel zu flach ist, dem seinen die unzähligen Rollenspiele und Adventure ans Herz gelegt, in denen weibliche Charaktere als gewitzte Diebinnen, Elfen, Feen oder Hexen eine mächtige Unterstützung für jede Gruppe von Helden sind. Wie sehr habe ich gelitten, wenn meine Schwester und Magier/Diebin "Imoen" im zweiten Teil der "Baldurs Gate Saga " dem Schwert eines fiesen Schurken zum Opfer fiel . Und wer kennt nicht die mächtige Kämpfer/Druidin "Jaheira", mit der nur eine weitere der Powerfrauen aufgezählt wird, die uns während der letzten Jahre in Computerspielen begleiteten.
Wenn die fachkompetenten Journalisten und Redakteure beim ZDF sich in Zukunft also ein weiteres Mal überlegen, Einzelaspekte der Spielelandschaft zur bloßen Stimmungsmache zu verwenden, sollten sie vielleicht in Erwägung ziehen, dieses Geschäft den Profis zu überlassen. Zum Beispiel Redakteuren bei Spiele-Zeitschriften, die einen wesentlich besseren Überblick haben dürften, in welchen Spielen Frauen bisher mehr Bedeutung zukam, als auf den Strich geschickt zu werden. Das bisher gezeigte Niveau der Berichte ist jedenfalls nur knapp über dem der "BILD", die den Titel Zeitung bekanntermaßen nicht mehr führen darf, weil sie es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Unwahr ist der Bericht im Zweiten sicherlich nicht, dafür jedoch schlecht recherchiert. Schwarze Schafe und Entgleisungen wie die Puff-Simulation wird es immer geben. Wenn die Magazine im Zweiten Fernsehen, das wir mit unseren Gebühren finanzieren, sich allerdings auch in Zukunft daran festbeißen, sollte man vielleicht wie mit der BLÖD, äh, BILD verfahren und ihnen den Titel entziehen. In Zukunft also nur noch "Sendung", und kein "Format" mehr. Bis dahin Danke, ZDF!, für diesen Unfug gibt's die "rote Karte"